Alle Infos zum Bafög für Schüler und Studenten zusammengefasst

Alle Infos zum Bafög für Schüler und Studenten zusammengefasst

Wer in Vollzeit zur Schule geht, um einen Beruf zu erlernen, wie z.B. Physiotherapeuten und Erzieher, muss zusehen, wie er oder sie diese Zeit finanziell überlebt. Dasselbe gilt auch für alle, die ihren Schulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg nachholen wollen. Für all diese Menschen gibt es Bafög.

Was ist Bafög?

Bafög ist eine Sozialleistung zur Förderung unbezahlter Vollzeitausbildung. Das Wort BAföG ist die Abkürzung für das Bundesausbildungsförderungsgesetz. Dieses Gesetz regelt, wer wann, wie viel, wie lange bekommt und wie viel davon zurückgezahlt werden muss. Schüler und Studenten, die die BAföG Voraussetzungen erfüllen, haben also auch ein Anrecht auf diese Leistung, wie beim Kindergeld.

Bekomme ich BAföG?

Im Prinzip können alle Schüler ab 10. Klasse oder in Berufsausbildung, sowie Studenten Ausbildungsförderung gemäß BAföG beantragen. 2019 bezogen 489.313 Studenten und 190.844 Schüler BAföG. Alle BaföG Empfänger erfüllen folgende Voraussetzungen:

  1. Man muss in Vollzeit eingeschrieben sein
  2. Nebenjobs dürfen nicht regelmäßig mehr als 20 Stunden pro Woche beanspruchen
  3. Man darf noch keinen gleichwertigen oder höheren Abschluss haben. Es wird sozusagen nur aufwärts gefördert, ansonsten ist es eine Zweitausbildung.
  4. Man darf am ersten Unterrichtstag nicht älter als 29 sein (Ausnahmen zur BAföG Altersgrenze)
  5. Man muss sich zeitlich unbegrenzt in Deutschland aufhalten dürfen
  6. Das eigene Einkommen und Vermögen, sowie das Einkommen der Eltern und ggf. des Ehegatten darf rein theoretisch nicht reichen, um den Lebensunterhalt des Antragstellers bzw. Antragstellerin zu finanzieren. (siehe BAföG Rechner)

Schüler ab 10. Klasse, an allgemeinbildenden Schulen dürfen währenddessen nicht bei den Eltern wohnen. Akzeptiert werden juristische Angelegenheiten oder eine unzumutbare Entfernung zwischen Eltern und Schule, wobei nachweislich keine vergleichbare Schule in Reichweite sein darf. Wer also seinen Schulabschluss auf dem normalen Weg macht, kann nicht einfach von Hamburg nach München ziehen, weil ihm oder ihr die Schule besser gefällt oder Freunde da wohnen. Es könnte aber durchaus sein, wenn eine besondere Förderung notwendig ist, die es so an keiner in der Umgebung liegenden Schule gibt.

Ob man zuvor schonmal BaföG bezogen hat oder nicht, ist in den allermeisten Fällen übrigens egal. Beispiel: Man hat schon ein Bachelorstudium komplett selbst finanziert und möchte nun BaföG für einen Bachelor eines anderen Fachs beantragen, dann wird das nix. Wenn BAföG, dann nur nach oben, nie zur Seite.

bafög

Wichtig ist auch zu wissen, dass man zwei aufeinander aufbauende Ausbildungen gefördert bekommen kann. In manchen Fällen sind es sogar drei. Angenommen, jemand macht eine schulische Ausbildung, dann ein Bachelorstudium und dann noch den Master, dann kann diese Person all das mit BAföG finanzieren. 2019 bezogen 489.313 Studenten und 190.844 Schüler BAföG. Wenn du unsicher bist, ob du einer von ihnen werden könntest, versuchs mal mit unseren BAföG Quick Tests:

Schnelltest für Schüler BAföG

Schnelltest für Studenten BAföG



Wie viel BAföG bekomme ich?

Studenten unter 30 Jahren und ohne Kinder, können aktuell bis zu 861 Euro BAföG erhalten. Wer im Ausland studiert, bekommt etwas mehr. Derselbe Mensch könnte als Schüler maximal 689 bis 832 Euro BAföG bekommen. Je nachdem, was genau er oder sie macht.

Um es auf dich persönlich umzumünzen, nutzt du am besten diesen BAföG Rechner.

Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt in erster Linie davon ab, wer und was genau gefördert werden soll. Studenten bekommen in der Regel mehr BAföG als Schüler, aber auch nicht immer. Bei der Berechnung fließt all das mit hinein

  1. Art der Ausbildung
  2. Wohnsituation
  3. Kranken- und Pflegeversicherung
  4. eigenes Einkommen und Vermögen
  5. Einkommen der Eltern (wenn kein elternunabhängiges BAföG möglich ist)
  6. Einkommen des Partners (wenn verheiratet)
  7. Kinder

BAföG Rechnung Studenten

Grundbedarf
427 Euro
+eigene Wohnung
325 Euro
+eigene Kranken- und Pflegeversicherung
109 Euro/ ab 30 gibt es 80 Euro zusätzlich
+eigene Kinder bis 14 Jahre im Haushalt
jeweils 150
BAföG Höchstsatz unter 30 ohne Kinder
861 Euro
-eigenes Einkommen -450 Euro

-eigenes Einkommen -8200 Euro

- Einkommen der Eltern nach Abzug aller Freibeträge

- Einkommen des Ehegatten nach Abzug aller Freibeträge
Ausgezahltes BAföG
0 bis 861 Euro


Das ist so ganz grob der Rechenweg. Beim eigenen Einkommen gehen wir von nicht selbstständiger Arbeit aus. Der Freibetrag für Selbstständige liegt bei 366 Euro monatlich und für Pflichtpraktika werden nur 21,3% vom Bruttogehalt sowie 83 Euro Werbungskostenpauschale abgezogen. Zu beachten ist auch, dass BAföG Empfänger mit Kindern zusätzlich 570 Euro pro Kind verdienen dürfen. Ihr Einkommensfreibetrag liegt also bei mindestens 963 Euro monatlich. Für regelmäßige Studiengebühren, wie es sie an privaten Schulen und Unis gibt, können nochmal 175 Euro Einkommen pro Monat freigestellt werden und dann gibt es auch noch einen Freibetrag für Ehegatten mit geringem Einkommen.

Anrechenbares Einkommen der Eltern beim BAföG

Das anrechenbare Einkommen der Eltern ist noch komplexer. Deshalb wird dir niemand die Frage beantworten, wie viel deine Eltern verdienen dürfen, damit du noch BAföG bekommst. Ich habe schon BAföG Bescheide von Leuten gesehen, die trotz "reicher" Eltern, richtig viel BAföG bekommen. Andere bekommen gar nichts, obwohl ihre Eltern viel weniger verdienen.

Wer das jetzt unfair findet, sollte sich mal die komplette Rechnung anschauen. Die ist nämlich in jedem Fall für alle gleich. Was nicht gleich ist, ist wofür man das Geld ausgibt. Wäre es fairer die Raten für ein Haus zu vergleichen, wenn einer größere Raten zurückzahlt, als jemand anderes mit dem gleichen Schuldenberg? Beide haben das gleiche Einkommen, die gleichen Schulden. Der eine zahlt mehr und schneller zurück und hat deshalb weniger zum Leben übrig als der andere. Sobald die Raten abgezahlt sind, ist die Sache ihr Eigentum und somit Vermögen. Noch nie hat sich jemand beschwert, dass das Vermögen der Eltern nicht berücksichtigt wird. Wie dem auch sei. Es ist für den Gesetzgeber einfach verdammt schwer, die Lebenssituation jedes Individuums mit zu bedenken. Man versucht den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Der hilft den meisten, aber nicht jedem.

Wer sich die Berechnung des elterlichen Einkommens etwas genauer anschauen möchte, dem empfehle ich einen Blick auf den sehr ausführlichen Artikel von Studis-Online zu diesem Thema.

Ebenfalls empfehlenswert ist es, sich über elternunabhängiges BAföG zu informieren.

BAföG Bedarfsrechnung Schüler

Bei Schülern ist die Berechnung ein wenig komplizierter. Für jede Schulart gibt es unterschiedliche Pauschalen für Grund- und Wohnbedarf. Versicherungspauschale und Kinderbetreuungszuschlag sind aber mit denen der Studenten identisch. Siehe §12 BAföG

Bedarfspauschalen für Schüler nach Ausbildungsart:

Schule
Grundbedarf
Wohnung
Fachoberschulklassen und allgemeinbildende Schulen ab Klasse 10  0
585 Euro
Berufsausbildung, die keine andere Berufsausbildung voraussetzt
247 Euro
338
Abendhaupt- und Abendrealschulen, Berufsaufbauschulen, Fachoberschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt 448
233
Fachschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt, Abendgymnasien, Kollegs 354
325

Wer also nach einer Ausbildung einen Schulabschluss nachholt, bekommt mehr BAföG als jemand in Erstausbildung.

Wie lange bekomme ich BAföG?

Schüler BAföG gibt es bis zum erfolgreichen Abschluss. Studenten im Bachelor oder Examensstudiengang, müssen zwischen dem 4. und 5. Semester nachweisen, dass sie ordentlich studieren, um bis zum Ende ihrer Regelstudienzeit gefördert zu werden. In 99 % der Fälle erhalten Studenten 10 Semester BAföG (Bachelor und Master zusammengerechnet). Wer in den ersten vier Semestern seines Studiums ohne wichtigen Grund erheblich rumtrödelt, muss das restliche Studium irgendwie anders finanzieren. Hat man kein Problem mit dem BAföG Leistungsnachweis, ist spätestens mit dem Ende der Regelstudienzeit Schicht im Schacht. Jedenfalls gilt das für 99% der Studenten. In ganz bestimmten Fällen drückt das Gesetz ein Auge zu.

Wie beantragt man BAföG?

Da BAföG eine staatliche Leistung ist, muss es formal beim zuständigen BAföG Amt beantragt werden. Dafür gibt es insgesamt 9 offizielle Antragsformulare. Welche der 9 Formulare notwendig sind und welche Dokumente das Amt sonst noch sehen will, kommt auf den Einzelfall an. Wem es jetzt schon vor dem Papierkram graust, kann sich auch professionelle Hilfe für seinen BAföG Antrag holen. Welches der über 400 Ämter für die Antragsbearbeitung zuständig ist, hängt auch wieder von einer Menge Faktoren ab. Am besten sucht man einfach hier das zuständige BAföG Amt. Die Kurzversion ist: Man besorgt sich Papier, füllt es aus, unterschreibt es, kopiert anderes Papier und sieht zu, das der ganze Kram beim Amt (Post, persönlich, E-Mail oder Fax, manche haben auch einen online upload) ankommt, dann wartet man ca. zwei Monate und bekommt Post. Gleichzeitig oder kurz danach, gibt es Geld aufs Konto oder eben auch nicht.

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