Das perfekte Bewerbungsschreiben für Berufseinsteiger

Das perfekte Bewerbungsschreiben für Berufseinsteiger

Ich habe gerade eine Stellenanzeige gefunden, die perfekt für mich wäre. Hat jemand Tipps für das Anschreiben? Was wollen Personaler so hören? Was sollte ich auf gar keinen Fall in meine Bewerbung schreiben? Hat jemand Tipps für mich?

Solche Fragen lese ich immer wieder in diversen Foren und Studenten-Gruppen. Ich lese seit Jahren Bewerbungen aus diversen Gründen. Manchmal bin ich selbst die Arbeitgeberin, manchmal ist es jemand anderes, der meine Meinung dazu möchte. Mit dieser Antwort möchte ich euch als Bewerbern und uns als Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern Zeit und Mühe ersparen.

Was du beim Verfassen deines Bewerbungsschreibens bedenken solltest

Bewerbungsschreiben

Alles eine Frage der Perspektive

Versetze dich in die Lage deines potenziellen Arbeitgebers, bevor du deine Bewerbung schreibst. Ich weiß, das ist schwer, wenn man selbst noch nie in dieser Position war und auch niemanden kennt, der es war oder ist. Aber dafür gibt's ja mich.

Prinzipiell ist jede Bewerbung individuell und damit ist schwer zu sagen, was man im Anschreiben unbedingt erwähnen oder lieber unter den Tisch fallen lassen sollte, aber ein paar pauschale Grundregeln gibt es natürlich schon für erfolgreiche Bewerbungen:

1. Jede Stellenanzeige ist ein Hilferuf

Vermutlich hast du das selbst noch nie so gesehen. Im Prinzip ist ja das Unternehmen in der Machtposition, über deine berufliche Zukunft zu bestimmen. Du willst alles richtig und deshalb unbedingt einen guten Eindruck machen. Du wirst dich wundern, wie es auf der anderen Seite aussieht. Unternehmen werden nicht groß und bekannt ohne sich permanent Gedanken darüber zu machen, wie sie einen möglichst guten Eindruck auf Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter machen können. Ihre Existenz ist ein ständiges Bewerbungsverfahren bei den Menschen, die ihnen das Dach über dem Kopf, das Essen auf dem Tisch und etwas Luxus finanzieren. Sie suchen alle dasselbe wie du und sind gewillt Geld dafür auszugeben, um ihre Bestrebungen in diesem Wettbewerb stetig zu verbessern. Das versuchst du doch auch oder nicht? Wenn du es dir leisten könntest, wärst du vielleicht bereit jemanden zu bezahlen, der die perfekte Bewerbung für dich schreibt? Du hättest dann weniger Stress damit und bessere Chancen an den perfekten Job zu kommen, mit dem du mehr verdienen wirst als dich dein Ghostwriter gekostet hat. Würdest du einen Stylisten ablehnen, der dich für dein Bewerbungsgespräch perfekt vorbereitet? Kein ewiges "Was soll ich anziehen?". Bevor du auch nur anfängst darüber nachzudenken, hat das Unternehmen sich bereits den Schädel darum zerbrochen, wie es dich finden kann. "Was schreibe ich in die Stellenzeige", "wie lenke ich deine Aufmerksamkeit darauf"? Wie viel kann und will ich dafür ausgeben, diese Anzeige in deine Filterblase zu bekommen. Das Unternehmen hat zum Zeitpunkt deiner Bewerbung schon viel Zeit und Geld in dich investiert.

So wie du als Bewerberin oder Bewerber auch. Was jedes Unternehmen unabhängig von der Größe sucht, ist jemand, der ihm dabei hilft, sein Ziel zu erreichen. Genauso wie du jemanden suchst, der dir bei deiner Bewerbung hilft, dein Ziel (den Job) zu erreichen. Natürlich bleibt die Entscheidungsmacht beim Arbeitgeber, aber wenn du dir klar machst, dass jede Stellenanzeige nichts anderes als ein Hilferuf ist, kennst du den wunden Punkt, an dem du ansetzen kannst. Und wenn du dir bewusst machst, wie viel Zeit und Geld in so einem Bewerbungsverfahren auf Seiten des Arbeitgebers investiert wird, hast du schon viel gewonnen.

Wenn du aus der Stellenanzeige nicht schlau wirst, ruf einfach dort an und frag nach, worum es genau geht. Das ist nichts schlimmes und disqualifiziert dich nicht. Frag lieber nach, ehe dein Bewerbungsschreiben das Thema verfehlt.

2. Deine Bewerbung ist ein Hilfsangebot

Nun ist dir klar, dass der Mensch hinter der Stellenanzeige Hilfe sucht, also biete ihm gefälligst diese Hilfe an. Das heißt nicht, dass du ausnahmslos jeden einzelnen Punkt der Stellenanzeige total draufhaben musst, aber grob muss es schon passen. Berufserfahrung kann einen formalen Abschluss locker ersetzen, heißt auch ein anderer Abschluss in einem anderen Beruf oder Fach ist völlig okay, sofern kein Chirurg gesucht wird. In der Regel ist Praxiserfahrung wichtiger als Theorie, jedenfalls, wenn man nicht in der Forschung arbeitet. Dein Bewerbungsschreiben ist nichts anderes, als das Angebot einer helfenden Hand. Also finde heraus, welche Hilfe dein künftiger Arbeitgeber braucht und betone, wie du ihm helfen kannst, genau dieses Problem zu lösen. Das Problem an sich ist das wichtigste! Schon allein das Problem zu identifizieren, katapultiert dich ganz weit nach oben. Und wenn du dann noch glaubwürdig machen kannst, dass du der Schlüssel zur Lösung bist, ist dir eine Einladung zum Vorstellungsgespräch sicher. Das ist wichtiger als deine Interessen. Natürlich sucht jeder jemanden teamfähiges, flexibles, der bereit ist neues zu lernen, aber dass dem so ist, musst du erstmal beweisen. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: schreibe in deine Bewerbung wie du helfen kannst! Ist das Problem, das du zu lösen versuchst, mangelnde Teamfähigkeit? Natürlich ist Teamfähigkeit eine wichtige Kompetenz, die einfach jeder Haben sollte. Aber viele räumen diesem Aspekt viel zu viel Platz in ihrem Anschreiben, sodass das zu lösende Problem, darin untergeht. Ein echter Teamplayer erkennt Probleme und sucht nach konstruktiven Lösungen. Ein Teamplayer macht sein Team besser. Teamfähigkeit bedeutet anzupacken und nicht nur darüber zu reden.

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3. Der Mensch hinter dem Bewerbungsschreiben ist zweitrangig

Fassen wir nochmal zusammen: Da ist jemand, der Verstärkung für sein Team braucht, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Die Stellenzeige ist ein Hilferuf. Deine Bewerbung ist ein Rettungsangebot. Probleme lösen kann nur jemand, der das Problem versteht und dazu gehört auch, dass er es lösen kann. Dementsprechend ist es nur logisch, den Bewerber zum Vorstellungsgespräch einzuladen, der das Problem in seinem Anschreiben mehr oder weniger korrekt identifiziert und am besten, sogar Lösungsvorschläge anbietet. So als Tipp: Entweder hat das Unternehmen ein qualitatives Problem= es fehlt Know-How zur Lösung eines Problems z.B. Buchhaltung oder das Problem ist quantitativer Natur wie z.B. Eine Buchhalterin geht in Elternzeit.

Das ist im Prinzip nichts anderes als du und ich. Du hast ein Problem, das ich identifiziert habe. Das hier ist meine Bewerbung an dich, meinen Leser und Kunden = Arbeitgeber. Vielleicht akzeptierst du sie und bezahlst mich irgendwann für eine Beratung zum Thema Ausbildungsförderung. Dass ich gern mit Menschen arbeite und viel Erfahrung in Kundenservice und Beratung habe, brauche ich dir nicht sagen. Das ergibt sich aus meinem Lebenslauf, diesem Blog und hunderten von begeisterten Kundenbewertungen. In den letzten 931 Wörtern ging es ausschließlich um dich und dein Problem, sowie Lösungsvorschläge. Ich und meine Interessen sind dir doch ehrlich gesagt egal und das ist okay für mich. Hättest du bis hierhin gelesen, wenn ich dir geschrieben hätte, das ich mir deine Fragen mit großem Interesse durchgelesen habe und sie gerne beantworten würde, weil ich einen Masterabschluss in Wirtschaftskommunikation habe, teamfähig und flexibel bin? Oder hat dir mein Bewerbungsschreiben hier schon irgendwie geholfen? Macht es für dich jetzt noch einen Unterschied, was ich studiert habe?

Habe ich dein Problem korrekt identifiziert? Was hätte ich besser machen können? Darf ich dich das Fragen oder stellt das meine Qualifikation in Frage? Diese Fragen klären wir im Vorstellungsgespräch.

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4. Zeige aufrichtiges Interesse in deinem Bewerbungsschreiben

Auch wenn dieser Tipp erst am Schluss kommt, gehört er eigentlich ganz an den Anfang des Anschreibens für deine Bewerbung. Dein Bewerbungsschreiben sollte klarmachen, dass du das Unternehmen kennst. Nenn' mich eine Diva, aber ich hab schon Mühe und Not Bewerbungen bis zum Ende zu lesen, wenn das Anschreiben mit "Sehr geehrte Damen und Herren", beginnt. Wer Studierenplus.de kennt, kennt auch meinen Namen. Ich bin Luisa. Das weiß so gut wie jeder. StudierenPlus und Luisa sind Synonyme füreinander. Mein Name steht unter mehr als 200 Blogposts und wird in über 100 Videos auf meinem YouTube Kanal genannt. Sei mir nicht böse, wenn ich erwarte, dass du schonmal von mir gehört hast, wenn du dich bei mir bewirbst. Studierenplus ist so klein, da ist sowas nicht schwer herauszufinden. Beim Großkonzern, mit tausenden von Mitarbeitern ist das schon etwas anderes, da ist Personalerin XY bestimmt nicht beleidigt, aber sicher geschmeichelt, wenn du ihren Namen kennst.

Bei so kleinen Unternehmen, wie meinem ist " Das/ Ihr Team.." eine bessere Formulierung, als " Das/Ihr Unternehmen...". Rein rechtlich gesehen hat die Bezeichnung nichts mit der Anzahl der Mitarbeiter zu tun. Die Bezeichnung Unternehmen ist also immer richtig, aber ich würde dir empfehlen " Ihr /Das Team" zu verwenden, wenn es sich um eine noch recht kleine Einrichtung, mit wenigen Angestellten handelt. Vor allem, wenn in der Stellenanzeige das Wort Team benutzt wird. Kleine Unternehmen bis ca. 10 Angestellten haben in der Regel (noch) keine Abteilungen. Da packt jeder bei allem mit an. Die sind eben noch ein richtiges Team mit sehr flacher Hierarchie. Es ist zwar klar, wer der Chef bzw. Chefin ist, aber häufig sind alle (nicht immer) per Du (inkl. Chef). Und gerade in solchen kleinen Unternehmen sind Teamfähigkeit sowie Zuverlässigkeit extrem wichtige Eigenschaften. Da darf man sich für nichts zu fein und jederzeit bereit sein, den anderen unter die Arme zu greifen.

Und wenn es mal nicht klappt, lass den Kopf nicht hängen. Es gibt immer jemanden, der besser ist, fragt sich nur, ob sich dieser jemand auf dieselbe Stelle bewirbt. In dem Fall ist es einfach nur Pech und nicht deine Schuld. Vergiss nicht, die anderen kochen auch nur mit Wasser.

Ich hoffe, diese Tipps für deine Bewerbungsschreiben sind konkret genug und etwas hilfreicher, als all die 0815 Ratgeber, die man sonst so findet.

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